Neubau Naturpool als Betonteich inkl. Filtertechnik und Folie

  • Geschätzte Teichbauer!


    Ich lese und beschäftige mich schon seit längerem mit dem Bau eines Naturpooles. Ich habe die Suchfunktion bemüht und schon ettliche Artikel gelesen, doch leider konnte meine Frage nicht beantwortet werden, weshlab ich mich jetzt hier angemeldet habe und um Eure Hilfe bitte!


    Ich planen einen architektonischen Schwimmteich. Das Becken wird 6x4 Meter groß und 2 Meter tief. Der umliegende Bereich wird ca. 2 Meter breit und 1/2 Meter tief, mit Kies, Pflanzen, etc.


    Ich möchte die Bodenplatte betonieren und die Seitenwände aus Schalsteinen mauern. Auf die horizontalen Flächen möchte ich später Natursteinplatten verlegen. Die Wände möchte ich nicht verkleiden, diese könnten Schwarz oder färbig bleiben. Ich bin mir nun nicht sicher, ob ich das Becken mit Folie auskleiden soll, oder ob ich einen Anstrich mit Dichtschlämme machen soll. Des weiteren würden ich noch eine Filteranlage benötigen.

    Ich sympathisiere mit einer Pumpenkammer (ca. 3 Meter vom Teich in der Gartenhütte plaziert), in welche sowohl das Oberflächenwasser (Skimmer) einströmen, als auch Wasser über den Bodenaublauf am tiefsten Punkt des Teiches nach dem hydrostatischen Prinzip in die Pumpenkammer gedrück wird. Von der Pumpenkammer soll das Wasser von der Pumpe angesaugt und zu einem höhergelegten Durchlauffilter (ca. 1 Meter über Wasserspiegel) gepumpt werden. Durch das natürlich Gefälle soll das Wasser vom Durchlauffilter zu einem Bachlauf o.ä. zurück in den Teich geleitet werden.


    Könnt ihr mir bitte weiterhelfen, bzw. ist mein Ansatz realisierbar? Falls es Folie statt Dichtschlämme werden soll, wie kann ich diese in einem rechtwinkligen Becken faltenfrei verlegen?


    Vielen Dank für Eure Ratschläge und Eure Zeit!


    Lg Rainer

  • Hallo Rainer,

    zuerst das einfachste. Bitte unbedingt Folie statt irgendwelche Experimente mit Dichtschlämme oder dergleichen. Von den Natursteinplatten am Boden würde ich Dir auch gerne abraten auch wenn es am Anfang sehr schön aussieht. Alles was offenporig ist erzeugt ein schnelles Belagswachstum mit folgendem Algenwachstum. Gleichzeitig ist offenporiges Material nur sehr schwer zu reinigen bzw. lassen sich die Poren logischerweise nie vollständig reinigen. Deshalb kommt es immer sofort zu einem weiterwachsen von Belägen oder Algen. Auf einer glatten Folie dauert es relativ Lange bis etwas wächst und damit kann man mehr genießen wie putzen. Offenporiges Material erzeugt auch einen höheren mechanischen Verschleiß an z.B. Robotern.

    Faltenfreie Verlegung in einem rechteckigen Pool ist grundsätzlich einfach. Man muss halt die Folienbahnen zusammen schweißen. Die Kanten würde ich mit ca. 5 cm Hohlkehle verrunden weil sich das viel leichter reinigen lässt wie eine richtig scharfe Kante. Man kann auch konfektionierte, geschweißte Folie auf Maß bestellen. Ich habe aber leider noch keinen Naturpool gesehen wie gut das dann aussah. Für eine faltenfrei Verlegung kommt es schon auf jeden Zentimeter an. Vorort geschweißt wird die senkrechte Bahn z.B. auch 1-3 cm zu kurz an die Bodenfolie angeschweißt, damit beim Wasser einlassen der Wasserdruck die senkrechte Folie perfekt faltenfrei spannt. So machen es zumindest die Profis und oben an der Kante ist ein Anschweißwinkel angebracht. PVC Folie lässt sich auch von einem begabten Laien ganz gut verschweißen. FPO Folie würde ich nur vom Profi schweißen lassen. Da kannst Du bei Deiner Größe aber schon mit 4-5.000 € inkl. Folie rechnen. Die Folienschweißer sind sehr gut ausgebucht und lassen sich deshalb Ihre Dienstleistung auch gut bezahlen.


    Was ich bei Deiner Beschreibung nicht ganz verstanden habe ist, wie der Bereich 2 m breit und 0,5 m tief in Deine Hydraulik eingebunden ist. Dort Sitz doch eigentlich der Filter hier aus dem Shop und wird von unten nach oben durchströmt und von dort geht es wieder zurück in den Schwimmbereich.

    Einen wie auch immer gearteten Durchlauffilter scheint mir für einen Naturpool zu wenig zu sein. Um Nährstoffe ab zu bauen bzw. zu binden muss im Verhältnis zur Wasseroberfläche schon ein gewisse Menge an biologisch aktiver Fläche vorhanden sein (biologische Klärstufe) und dies wird dann in der Regel immer ein Kiesfilter sein.


    Grundsätzlich ist es hilfreich wenn Wasser nicht über Quellsteine, Bachlauf oder ähnliches zurück in den Teich gelangt. Solche optisch sicher ansprechenden Dinge sollte eher mittels Zeitschaltuhr nur ab und zu betrieben werden. Aus dem Wasser wird über solche Dinge das gelöste CO2 ausgetrieben und dadurch werden auch die Karbonathärte und der PH-Wert beeinflusst weil CO2, KH und PH immer in einem biologischem Gleichgewicht sind.


    Statt Bodenablauf würde ich eher eine oder zwei tiefliegende Ansaugung an einer Wand gegenüber des Skimmers vorsehen. Ist wesentlich leichter zu bauen und eventuell auch schöner wie ein Bodenablauf. Es entsteht dann auch eine komplette Durchmischung des Wassers und das ist die Hauptaufgabe eines Bodenablauf. In einem Naturpool ist das Wasser ablassen mehr wie nebensächlich weil das Wasser in einem Naturpool normalerweise nie gewechselt wird.


    LG Torsten

    Torsten Reuß, TOSSTEC KG

    seit 16 Jahren Schwimmteichbesitzer, Schwimmteich Kategorie 3-4

    hellbeige Folie mit 2 Wandskimmern, Bogensiebfilter und durchströmter Kiesfilter

  • Hallo Torsten!


    Vielen lieben Dank für deinen außerordentlich informativen Beitrag! Man merkt gleich, dass du Ahnung hast.

    Ich hatte bei der Dichtschlämme von Anfang an ein mulmiges Gefühl, ganz ehrlich gesagt. Gut, dass das jetzt ein für alle Mal geklärt ist für mich.

    Was ich aber noch nicht ganz verstehe ist, dass bei manchen Naturpools tonnenweise Steine aufeinander gestapelt werden können und wie gewisse Bereich abgemauert werden können. Das Gewicht lastet ja alles auf der Folie... bzw. wie funktioniert das Verlegen von Natursteinplatten, welche ja in Mörtelbett gelegt gehören, auf der Folie?


    Die Funktionsweise des Filtersystem "Bioflow" dürfte ich anscheinend missverstanden haben. Ich habe jetzt erst begriffen, dass dieses im Prinzip ja in umgekehrte Richtung wie ein herkömmliches Kiesfiltersystem arbeitet. Bez. der einzelnen Komponenten, welche ich brauche und vor allem wieviele auf meine Größe muss ich wohl nochmal die Suchfunktion bemühen.

    Ich habe leider auch noch nicht ganz verstanden, ob ich für das "Bioflow" auch noch einen anderen Filter brauche, welcher davor angeschlossen wird? Oder reicht wircklich nur die Kiesschicht, der "Bioflow" und eine Pumpe?


    Vielen Dank für die kompetente Hilfe!


    Lg Rainer

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!